Nach nur zwei absolvierten Spieltagen kommt es in der CSL schon wieder zum Schrecken aller Stadiongänger: Die erste Länderspielpause steht an. Von Guangzhou bis Changchun rollt der Ball erst im April wieder. Grund genug, einmal etwas über die Verantwortlichen dieser Unterbrechung zu schreiben, Chinas Nationalelf.
Man möge annehmen, dass sich unter 1,4 Milliarden Menschen wohl elf Männer finden sollten, die einen runden Plastikball über den Platz bolzen können. In China erwies sich dieses Vorhaben in der Vergangenheit als doch gar nicht so einfach. Verschiedene nationale und ausländische Trainer sind an der Herausforderung gescheitert und waren meist sehr schnell wieder weg.
Allein in den Jahren seit 2010 hat die CFA sechs Trainer verschlissen. Mit Marcello Lippi ist nun ein Mann an der Verantwortung, der Land, Leute und lokalen Fußball als Trainer von Guangzhou Evergrande schon etwas kennenlernen konnte. Vom ehemaligen Weltmeistertrainer der Italiener wird viel erwartet. Lippi soll die Mannschaft weiterentwickeln und in naher Zukunft zu einer WM-Endrunde führen.
Geht es nach Chinas Präsidenten Xi Jinping soll man spätestens 2050 in der Weltspitze angekommen sein. Lieber jedoch schon früher.
Bis dahin liegt jedoch noch viel Arbeit vor Lippis Team, aber auch vor den Vereinen, die bisher noch keine Topstars hervorgebracht haben.
Zu lange fristete der Sport eine kleine Nebenrolle im größten Land der Welt. Basketball war cool, in Badmintion und Tischtennis spielt man in der Weltspitze mit und seit den olympischen Spielen von Peking dominiert man die weite Sportwelt fast nach Belieben. Viel wurde in die Ausbildung junger Talente investiert. Fußball stand dabei ausnahmsweise nicht im Mittelpunkt. Hier floss und fließt das Geld lieber nach Europa.
Rund 400 Millionen Euro haben die Vereine vor der neuen Saison wieder in neue Spieler investiert. Vor allem die Transfers verschiedener europäischer und südamerikanischer Idole nach China haben den Ruf der CSL gefestigt. Hier können alternde Spieler kurz vor dem Karriereende noch einmal schnell und einfach abkassieren, bevor sie sich zur Ruhe setzen. Geschichten, wie die von Carlos Tevez, der bei Shanghai Shenhua zum bestbezahlten Spieler der Welt wurde, festigen dieses Bild. Dabei wird oftmals vergessen, dass auch immer mehr Spieler „im besten Alter“ nach China kommen. Hulk, Axel Witsel oder Oscar hätten sich die Vereine in Europa wahrscheinlich aussuchen können. Sie entschieden sich dennoch für China und heben seitdem das Niveau der Super League spürbar an.
Was hat das nun mit der Nationalmannschaft zu tun?
Im Sog der ausländischen Spieler stiegen auch die Ausgaben für nationale Spieler stetig an. Chinas Regierung zeigte sich nicht sonderlich erfreut, über die Auswüchse auf dem Transfermarkt. Der Verband beschloss daraufhin spontan, nur noch drei Ausländer pro Verein und Spiel zuzulassen. Zusätzlich muss ein u23-Spieler aufgestellt werden. Auch wenn die Umsetzung der Regel noch mit vielen Problemen behaftet ist, zeigt sie doch gut, welche Richtung man in Zukunft einschlagen möchte. Über diese Quotenregeln sollen chinesische Spieler vermehrt eingesetzt werden und so langfristig die Qualität der Liga und damit in letzter Konsequenz auch dem „Team Dragon“, der Nationalmannschaft helfen.
Insbesondere in der Jugendarbeit liegt noch viel ungenutztes Potential. Verschiedene Vereine, wie beispielsweise Serienmeister Evergrande oder auch Shandong Luneng haben dies erkannt und bauten mit europäischer Hilfe gigantische Jugendakademien mit mehreren Tausend Spielern auf. Diese Kinder kommen oftmals aus weitentfernten Städten und Dörfern. Unter Anleitung europäischer Trainer sollen sie nun zu Spitzenspielern reifen.
Es treten jedoch noch große Schwierigkeiten auf. Die Abstimmung schulischer und sportlicher Ausbildung ist in einem ehrgeizigen Land wie China kompliziert, die Entfernungen sind groß und einen geregelten Spielbetrieb gibt es auch nicht. So müssen die Clubs oftmals weite Wege nach Europa auf sich nehmen, um sich auf Turnieren mit anderen Teams messen zu können.
Auch wenn man sich in vielen Bereichen auf einem guten Weg befindet, wird es noch eine Weile dauern, ehe die neuausgerichtete Ausbildung, Kooperationen mit europäischen Vereinen und die neuen Regeln Früchte tragen und wir chinesische Spieler in den europäischen Eliteligen sehen. Chinas Nationalmannschaft, die zwischen Armenien und Gabun auf Rang 86 der FIFA-Weltrangliste steht, wird bis dahin wohl weiter auf die nächste WM-Teilnahme warten müssen. Einzig zur WM 2002, als Asien als ausrichtendem Kontinent mehr Startplätze zustanden, konnten sie sich qualifizieren. Mit drei Niederlagen und 0:9 Toren war das Abenteuer in Japan und Südkorea jedoch auch wieder schnell vorbei. Seitdem scheiterte man immer schon in der zweiten oder dritten Qualifikationsrunde. Auch in Russland wird China sehr wahrscheinlich nicht mit dabei sein. In der Gruppe mit Iran, Südkorea, Usbekistan, Syrien und Katar belegt das CFA-Team nach 5 von 10 Spielen den letzten Platz. Für die WM 2022 wird China einen neuen Anlauf nehmen, ob Lippi dann noch da ist? Immerhin wird Asien dann wieder mehr Startplätze haben. Vielleicht