Mit neuen Regeln gegen den Transferwahnsinn

Ungefähr 400 Millionen Euro haben die 16 Vereine der Chinese Super League in der vergangenen Transferperiode in neue Spieler investiert. Damit haben sie ihren eigenen Ausgaberekord aus dem Vorjahr noch einmal überboten.

Mit Tevez, Oscar, Pato, Soriano und Robbie Kruse konnten die Chinesen wieder einmal viele bekannte Stars in das Reich der Mitte locken.

Carlitos
Hier noch im Trikot der Boca Juniors – inzwischen in China angekommen: Carlos Tevez

Als die Planungen der meisten Vereine schon abgeschlossen waren und sich das Ende der Transferperiode andeutete (in China endet die Periode erst am 28.02.) beschloss die Chinese Football Association (CFA) spontan, wohl auf Anraten und sanften Druck der Regierung, die Zahl der maximal pro Spiel erlaubten Ausländer auf drei zu reduzieren. Außerdem wurde eine Regel eingeführt um auch chinesischen Talenten Platz in der Liga einzuräumen. Jeder Verein muss nun mit einem u23-Spieler auflaufen und einen weiteren jungen Spieler auf der Bank platzieren.

 

„Jugend“ forscht… weil sie muss

Legt man deutsche Verhältnisse zu Grunde, scheint diese Regel sehr großzügig zu sein. Dortmund, Schalke, Gladbach etc. und selbst die Bayern laufen in der Regel mit Spielern auf, die diese Altersgrenze erst in vielen Jahren erreichen werden. Was in Deutschland also Normalität ist, stellt die Trainer und Manager der CSL, welche ihre Planungen schon abgeschlossen hatten, nun vor große Probleme.

Manche Vereine, wie z.B. Beijing Guoan konnten noch spontan reagieren. Sie sicherten sich noch schnell die Dienste des 22 jährigen Tang Shi von MZ Hakka aus der 2. Liga. Dieser Spieler wäre ohne die Regeländerung wohl für längere Zeit unbeachtet geblieben. So mussten sich die Vereine jedoch schnell qualitative Spieler suchen und dafür eine gute Stange Geld ausgeben.

Für einige Spieler bietet diese Neuerung also die Chance sich auf der großen Fußballbühne zu präsentieren.

Doch nicht jeder Verein hatte die Möglichkeit noch einmal aktiv zu werden. Sie fanden andere Auswege, um die Auswirkungen abzuschwächen.

Im ersten Spiel des Wochenendes zwischen Guizhou und Liaoning wurde Wang Qiao, der Nachwuchsstar der Gäste, schon nach 17 Minuten ausgewechselt. SIPG wechselte nach 30 Minuten und Yanbian Funde auch schon in der 28 Minute. So kamen die jungen Spieler nur zu kurzem Ruhm.

Da keine Mindestspieldauer für die Spieler festlegt, konnten die Trainer die Regel auf Kosten eines frühen Wechsels somit also einfach umgehen. Bei Liaoning hätte sich das fast gerächt. In der 65. Minute flog ihr Torwart Shi Xiaoting vom Platz. Da aber schon alle drei Wechsel genutzt wurden, musste sich ein Mittelfeldspieler die Handschuhe überstreifen.

Ausländerbeschränkung schafft Platz für einheimische Spieler

Die Restriktion der ausländischen Spieler, von denen nur noch drei statt wie bisher Vier auf dem Platzt stehen dürfen, wirkt sich insbesondere auf die Vereine auf, die sich auf dem Transfermarkt besonders ins Zeug gelegt haben. Zum Beispiel SIPG, bei denen Carvalho bis zu einer Verletzung oder Sperre von Hulk, Elkeson oder Oscar, wohl nur noch im Training auf dem Platz stehen darf. Auch bei Hebei China Fortune oder Felix Magaths Shandong Luneng wird man sich über die Neuerung sehr geärgert haben.

Wo ein Ausländer weniger auf dem Platz stehen darf, öffnet sich gleichzeitig auch eine Position für einen einheimischen Spieler. Die erhöhte Nachfrage nach brauchbaren einheimischen Spielern lies die Preise in die Höhe steigen. So sorgte vorallem der Transfer von Zhang Chengdong, einem mittelprächtigen Kicker (ehem. BTSV), von Beijing zu Hebei für schmale 20 Millionen Euro für Schlagzeilen. Es findet also keine Reduzierung der Kosten statt. Vielmehr verlagern sich die Ausgaben zum Teil weg von großen Namen aus dem Ausland hin zu vermeidlichen Talenten aus dem Inland.

Und wer profitiert von all den Veränderungen und Umwerfungen? Wie so oft im Leben sind es die Großen:

Der Serienmeister der letzten sechs Jahre, Guangzhou Evergrande, schaut sich das Ganze ziemlich gelassen an. Mit ihrer Jugendakademie setzen sie Standards in China, sie verfügen auf fast allen Positionen über die besten einheimischen Spieler und dank des Sponsors Taobao, Chinas führendem Online-Markts, hat man auch noch ein kleines Polster, um sich punktuell mit internationalen Spielern zu verstärken.


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